Kingdom Come: Deliverance

Sire, wir sollten unsere Klingen schärfen! Mir scheint als würde Krieg in der ferne lodern!

So in etwas dürfte man sich fühlen wenn man das erste Mal das schöne Böhmen betritt und man den Prolog hinter sich gelassen hat. Denn eines kann man dem Spiel keinesfalls absprechen. Es hat eine enorme Immersion und spielt sich außerordentlich angenehm. Auch wenn es nicht ganz fehlerfrei ist.

Aber genug der Vorworte und kommen wir zu dem eigentlichen Spiel. Wie eingangs erwähnt fängt alles mit einem Prolog an, welches auch zugleich ein Tutorial ist. Man ist in einem kleinen Mittelalterlichen Dorf um muss einige Besorgungen für seinen Vater machen. So lernt man wie man handelt, mit anderen Dorfbewohnern spricht und auch das nahezu jede Kommunikation bzw. Verhalten gegenüber anderen NPC’s Konsequenzen hat. Auch das wirklich komplexe Kampfsystem wird hier in den Grundzügen erklärt und man kann wenigstens sein Schwert benutzen, aber auch der Faustkampf wird beigebracht.

Nach einer spektakulären Flucht, wo man gleich das eben gelernte einsetzen darf kommt man in den zweiten Teil des Prologs wo man nun den anderen Aspekt des Spiels lernt. Denn es gibt ein ausgeprägtes Rufsystem welches sich nicht nur auf den Ort als solches auswirkt sondern auch die einzelnen Gesellschaften wie Wachen oder Bürger. Zudem macht ihr Bekanntheit damit das ein dreckiges Erscheinungsbild eher hinderlich ist und wie man Schlösser knackt und auch einen Diebstahl begeht.

Der Prolog listet einem auch gleich auf das es nahezu unendliche Möglichkeiten gibt seine Aufgaben und Ziele zu verfolgen. Da es durchaus möglich ist, bis auf einen Kampf das Schwert stecken zu lassen. Verschiedenen Dialogoptionen lassen es zu das man nahezu jede Konfrontation ohne Gewalt lösen kann. Hinzu kommt das sich verschiedene Werte steigern lassen, aber etwas anders als man aus anderen Spielen gewohnt ist. Beispielsweise der Wert Charisma: In den meisten Spielen braucht man einen Ausrüstungsgegenstand, Zauber oder Trank um seine Werte zu steigern. Bei KCD muss man für einen guten Charisma Wert frisch gebadet haben, seine Ausrüstung geflickt und ordentlich ausgebeult, etwas Übung und eine entsprechen Kleidung an den Tag legen. Bei Besorgungen kann man entweder den NPC verprügeln bis er „freiwillig“ das begehrte Gut rausrückt oder man schleicht nächstens in sein Haus und zieht ihm dies aus der Hosentasche. Ganz nach seinem eigenen präferierten Spielstiel.

Dies zeigt auch wie komplex und doch logisch diese Welt ist. Die Entwickler haben sich darauf verstanden das Mittelalter in seiner Realität zu zeigen, daher gibt es auch keine Magie bei KCD. Natürlich kann man das Mittelalter nicht vollständig realistisch darstellen, aber es ist nahe dran. Dies bringt es auch mit sich das alles etwas langsamer vonstatten geht, die Wege sind weit und selbst das Schnellreisesystem hat so seine Tücken. Beispielsweise ist man nicht plötzlich an Ort X sondern darf dem Protagonisten bei seiner Reise über die Karte zuschauen, dabei wird man aber auch gelegentlich überfallen oder man trifft einen Wanderern Händler welcher wertvolle Waren zu bieten hat.

Es macht aber trotzdem unglaublich Spaß einfach von Ort A zu Ort B ohne das Schnellreisesystem zu reisen. Denn die die Welt von KDC die dem Böhmen zu der damaligen Zeit nachempfunden ist, ist wirklich schön gestaltet. Überall findet man immer wieder kleine Pfade die zum erkunden einladen, ein einsames Haus in der Ferne oder ein verlassener Garten welcher wertvolle Kräuter trägt. Aber auch einfach die wunderschöne Welt wenn man auf der Straße reitet oder durch die Wälder streift um etwas unerlaubt zu wildern. Die NPC’s die man dabei trifft haben auch alle einen eigenen Tagesablauf wodurch man nicht nur mehr über die einzelnen Personen erfährt, sondern auch so manche Gelegenheiten sich auftun die doch sehr schwere Aufgabe, leichter zu erfüllen.

Alles im allem ist KCD ein Spiel was man gerne Spielt, man wird förmlich in die Welt hineingezogen. Umso ärgerlicher ist es wenn mal eine Quest nicht funktioniert oder aufgrund der Grafikanforderung in der ferne Texturen und Objekte „aufploppen“. Auch das furchtbare Speichersystem, wo man nur speichern kann indem man eine Quest An- oder Abschließt, Schlafen geht oder einen Retterschnaps trinkt, macht es schwerer. Dies sorgt aber auch dafür dass man mit seinen Entscheidungen auch lebt.  Aber hier sind die Entwickler dran und es bessert sich stetig. Man sollte aber auf jeden Fall Zeit mitbringen. Denn selbst wenn  nur die Hauptkampagne gespielt wird ist man mit gut 30-50 Stunden im Spiel gefangen, wenn man hingegen erkundet und die Nebenquests macht können auch gut 100-200 Stunden in KCD verbracht werden.

Kommentar von Silberbär

Ich spiele KCD trotz einiger kleiner Fehler wahnsinnig gerne. Mit Heinrich die Welt zu erkunden und neue Orte zu entdecken macht mir unglaublich Spaß. Ich würde sogar soweit gehen das ein spielerisches Erlebnis aufkommt das sich mit Witcher 3 messen lassen kann. Die Städte sind belebt und die Bewohner machen immer nachvollziehbare Dinge. Nachts schlafen, tagsüber arbeiten, abends in der Kneipe oder am Abendbrots Tisch. Die eine oder andere Quests musste ich nochmals beginnen weil diese einfach verbuggt waren, aber das hat sich inzwischen gelegt. Etwas schade finde ich nur das man hier keinen Coop-Multiplayer hat in dem man ein Banditenlager taktisch ausheben kann, aber vielleicht gibt es irgendwann einen Mod mit dem es möglich ist. Die Quests habe ich als herausfordernd, aber nie unfair empfunden, einzig das Kampfsystem macht mir Probleme, aber das lässt sich glücklicherweise üben.

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Über Silberbaer 7 Artikel
Geboren im Jahre 1981, Norddeutscher Eigenbrötler, leidenschaftlicher Zocker und Bastler.  Seit ich klein bin beschäftige ich mich mit Computern und Spiele, besonders haben mir es Serveranwendungen angetan, aber auch der Hardwarebereich ist für mich sehr interessant.