Anno 1800 – Unentdecktes Land

„Segel Setzen Männer, wir suchen nach neuen Landen und Abenteuern! Wir wollen Geschichte Anno 1800 schreiben!“ – „Aye Käpt’n“

Neu, neuer, Anno 1800

Wer Anno 1800 das erste Mal Spielt wird schier überwältig sein wie leicht das doch recht komplexe Game von der Hand geht. Alte Hasen hingegen werden sich etwas umgewöhnen müssen, was allerdings zu vernachlässigen sein wird. Denn Anno 1800 ist grundsätzlich intuitiv aufgebaut. Ein Beispiel? Man nehme einmal die Holzproduktion. Es gibt nur ein Symbol, darauf sind ein paar Bretter abgebildet. Klickt man auf dies sieht man links ein Baumstamm für die Baumstammproduktion und einen Pfeil auf das rechte Symbol, das Sägewerk. In Anno 1404, welches bisher als das beste Anno galt, war das noch alles einzeln angeordnet. In Anno 1800 gibt es dadurch weniger Sucherei und mehr Ordnung in den Produktionsleisten.

Eine weitere Neuerung ist, dass die Gebäude wie Feuerwehr, Schule, Marktplatz, usw. keinen Wirkungskreis mehr haben. Vielmehr ist es so dass die Wirkung im Verlauf einer Straße abnimmt. Wer also seine Gebäude mit einem klugen Straßennetz abdeckt, kann nun viel mehr Wohngebäude erreichen als es mit den vergangenen Anno-Teilen überhaupt möglich war. Gerade für Schönbauer wird dies eine ungemeine Erleichterung sein.

Auch neu ist das jedes Gebäude eine ganz bestimmte Art von Arbeitern benötigt. Wo früher versucht wurde einfach so viele Häuser wie es nur geht aufsteigen zu lassen, ist es jetzt nötig dass für alle Gebäude auch die richtigen Arbeiter vorgehalten werden. Wer dies missachtet muss mit massiven Produktivitätseinbrüchen rechnen. Dadurch kann man jedoch ganz gezielt Bauen. Als Beispiel kann man ein kleines Bauerndorf errichten mit einfacher Versorgung, anspruchsvolle Architekten lässt man hingegen dicht in der Stadt wohnen um die benötigten Gebäude effizient zu setzen und das ganze noch schön anordnen.

Zusätzlich hat man nun noch eine Attraktivität seiner Insel. Diese lockt Touristen an, welche prall gefüllten Taschen haben. Ist die Insel schick und sauber, kommen mehr Touristen auf die Insel wenn man einen Besucherhafen hat. Ist die Insel hingegen unaufgeräumt und auf Industrie ausgelegt kommen weniger. Es ist daher durchaus sinnvoll mit mehreren Inseln zu arbeiten um einen Touristenmagneten zu haben.

Altbewährtes mit neuen Einflüssen

Das Kriegssystem ist hingegen wieder da wo es sein sollte, eher untergeordnet, aber nicht obsolet. Es gibt wieder bewaffnete und unbewaffnete Schiffe direkt auf der Karte. Dem namens gegeben Zeitalter ist es auch logisch das es neben den Segelschiffen auch später dampf-getriebene Schiffe gibt. Man wird schnell merken dass diese bei einem effektiven Warentransport nötig sind, da diese im Gegensatz zu den Segelschiffen nicht so stark vom Wind betroffen sind. Ja, es wurde richtig gelesen. Es gibt nun eine Windrichtung die sich ständig dreht. Mit Rückenwind fährt sich es schneller und andersrum langsamer. Möchte man einen schnellen Überfall auf ein gegnerisches Schiff machen und danach einen schnellen taktischen Rückzug einplanen, so sollte dies nicht außer Acht gelassen werden.

Nicht zu vergessen sei noch gesagt dass es nun keine Landeinheiten mehr gibt. Wird der Hafen erobert, ist die Insel auch erobert. Dadurch macht gestaltet sich Angriff- und Verteidigung etwas einfacher. Ob nun wirklich jede Eroberung auch sinn machen würde sei dahingestellt. Denn bei einer Eroberung bekommt man nun nicht eine vollfunktionsfähige Wirtschaft an die Hand, sondern alle Gebäude bis auf den Hafen werden entfernt. Es lohnt sich daher eher Anteile an einer Insel eines Mitspielers zu kaufen, wodurch ein Teil der Einnahmen der Insel an einen abgeführt werden.

Wie man schon aus anderen Anno Teilen kennt gibt es wieder die namensgebende Gesellschaft die Örtlich im Europäischen Raum zu finden war. Als zweite Fraktion gibt es nun eine Südamerikanische Gesellschaft. Aber im Gegensatz zu älteren Anno titeln sind diese nicht auf derselben Karte zu finden, hierzu muss man eine Expedition starten und Südamerika erst einmal entdecken. Diese kann man dann auf einer extra Karte aufbauen, während parallel die Europäische Gesellschaft existiert. Wer allerdings ein ähnliches Debakel wie von Anno 2205 befürchtet, dem sei gesagt das die Entwickler dazu gelernt haben. Die Karte fühlt sich eher an wie die Südliche Hälfte bei Anno 1404.

Apropos Expeditionen: Dies ist ein neues Feature. Nachdem man die 3. Stufe der Bewohner erreicht hat, kommt nach relativ kurzer Zeit ein bärtiger Käpt’n und spricht davon das es neues zu entdecken gibt. Wie schon vorab gesagt kann man nun Südamerika entdecken. Dazu nimmt man ein Schiff mit Crew und lecker Essen und schickt die Wochenlang auf Überfahrt. Nachdem man Südamerika entdeckt hat bekommt man immer wieder Expeditionen vorgeschlagen, hierbei kann man Schätze, wertvolle Items und auch neue Tiere für euren Zoo finden.

Das Wirtschaftssystem und dessen Tücken

Wie in allen Anno-Teilen steht auch bei Anno 1800 die Wirtschaft im Vordergrund. Während Bauern mit etwas Fisch schon fast glücklich sind, ist in den höheren Stufen viel mehr zu tun, inkl. importierter Waren aus Übersee.

Was neu ist, ist die Teilung zwischen Bedürfnisse und Zufriedenheit. Die Bedürfnisse stehen für die Grundbedürfnisse. Bei Bauern ist es beispielsweise, ein Zugang zu einem Marktplatz, Fisch und Kleidung. Stellt man alles in ausreichender Menge zu Verfügung steht einem Aufstieg in die nächste Stufe nichts mehr im Weg. Als zweiter wichtiger Faktor steht die Zufriedenheit der Bürger im Fokus. Ohne die wird man schnell merken dass die Häuser zum einen nicht voll werden und zum anderen das weniger Eingenommen wird. Beeinflusst wird die Zufriedenheit beispielsweise bei den Bauern noch durch das Vorhandensein eines Wirtshauses und Schnaps. Als zweiten Faktor der Zufriedenheit stehen die Umwelteinflüsse wie Verschmutzung, wer will schon neben einer Stahlfabrik wohnen? Aber auch Einflüsse wie die Zeitung, Jobbelastung und Luxusartikel haben Einfluss auf die Zufriedenheit der Inselbewohner.

Die Zeitung ist neben den neuen Einflusspunkten eine weitere Neuerung in Anno 1800. Die Zeitung kann auf die Zufriedenheit oder Steuereinahmen sich positiv oder negativ auswirken. Glücklicherweise kann aber mithilfe der Einflusspunkte eine negative Schlagzeile doch noch „korrigiert“ werden. Die Einflusspunkte sind jetzt auch enorm wichtig. Alles worauf man Einfluss nimmt kostet etwas Einfluss, welche in Form von Punkten vorhanden ist. Anfangs hat man 100 Punkte Einfluss, diese werden mehr durch eine wachsende Bevölkerung, die Zufriedenheit, Gegenstände oder auch die Zeitung. Will man beispielsweise Anteile einer Insel kaufen, kostet das 10 Punkte. Die Zeitung zu Beeinflussen kostet ebenfalls einige Punkte. Investiert man seinen Einfluss in den entsprechenden Bereichen wie Handel, Militär, Expansion usw. erhält man in den Bereichen einen Bonus.

Der Sandkastenmodus oder Mehrspielerpart

Der Mehrspielerpart oder auch Sandkastenmodus läuft beides gleich. Nur das bei dem Mehrspielerpart eben noch ein oder mehrere menschliche Spieler dabei sind. Die KI ist wie gewohnt von sehr weich bis sehr hart in dem durchsetzen seiner Interessen. Auch die Piraten sind wieder mit von der Partie. Schön ist es das jetzt auch echte Endlosszenarien gespielt werden können, denn jetzt sind die Mienen wirklich unendlich nutzbar. Die Menge der Rohstoffe gibt nun nicht mehr an wie viel von Erzen in den Flözen steckt, sondern nur wie viele Ressourcen auf einer Insel sich befindet. Das ist für Spieler die gerne über Tage eine Karte aufbauen wirklich hilfreich, da so ein ausgehen von elementaren Rohstoffen nicht mehr ein jähes Ende der Partie einläutet.

Schön, schöner, Anno 1800

Bei der Grafik haben die Entwickler noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt. Man erwischt sich nicht nur einmal das man ganz nahe ran zoomt um den Kindern beim Spielen zuzuschauen oder die Tiere im Wald beobachtet. Alles ist liebevoll detailliert und nachvollziehbar gestaltet. Da fährt ein Karren von der Fabrik A und liefert seine Waren nach Fabrik B. Neben dem bekannten Fotomodus gibt es jetzt auch einen 1st Person Modus. Auch wenn es zwar in dem Modus nicht mehr alles ganz so perfekt aussieht, so kann man doch endlich einmal durch seine eigene Stadt sich bewegen und den Bewohner bei ihrem treiben zuschauen. Besonders imposant wirkt das alles wenn man in späterem Spielverlauf dieses Feature nutzt und seine riesigen Fabriken ansieht oder seine Wunder fertig gebaut hat.

Alles im allem kann sich die Grafik sehen lassen. Wer einen etwas schwächeren Rechner hat, kann glücklicherweise alles soweit reduzieren das immer noch schön aussieht, aber auch flüssig läuft. Überhaupt sind die Systemanforderungen bei Anno 1800 eher moderat. Wer natürlich einen Power Rechner hat wird mehr Details haben, aber ansonsten keine besonderen Vorteile haben.

Das Gameplay

Wie eingangs schon erwähnt hat sich die Steuerung zu den alten Teilen etwas verändert, aber nicht zum Schlechten. Das bauen von Gebäuden ist nun einfacher, da die benötigenden Gebäude nun in Produktionsketten angeordnet sind. Dadurch kommt es vor das ein und dasselbe Gebäude an verschiedenen stellen im Baumenü gefunden werden kann. Es mag für alteingesessene etwas ungewohnt sein, aber es wird neue wie alte Spieler schnell von der Hand gehen.

Im Multiplayer spielt es sich kaum anders als im Einzelspieler, da die NPC lediglich durch einen Menschen ersetzt werden. Natürlich bleibt immer noch das Menschen eher weniger berechenbar reagieren als NPC, welche aber auch zum teil recht seltsam reagieren. So kann es passieren das ein NPC absurde Forderungen stellt, obwohl er wirtschaftlich am Boden ist und andere wieder einem die Türen einrennen.

Ansonsten bleibt alles beim Alten. Das Spieltempo ist eher etwas gemütlich und stark auf den wirtschaftlichen Faktor ausgelegt. Trotz seiner anfänglichen Komplexität ist Anno 1800 sehr einsteigerfreundlich. Die Kampanie die man durchaus als Tuturial sehen kann, nimmt einen ganz sachte an die Hand und gibt genügend Zeit sich mit den Produktionsketten auseinanderzusetzen. Denn das eigentliche Spiel beginnt erst nachdem man diese geschafft hat uns sich in den Endlosspielen vertieft.

Kommentar von Silberbaer

Mir macht Anno 1800 unglaublich viel Spaß. Das wuseln meiner Bürger ist herrlich anzuschauen und einmal mit einer Parade mir zu ehren mitlaufen macht einfach nur Laune. Aber, Anno 1800 ist ein unglaublicher Zeitfresser. Hier noch eine Optimierung, da noch eine kleine Flottenbewegung und irgendwie ist wieder eine halbe Stunde vergangen. Im Multiplayer geht es eher gemütlich zu Gange und man redet mit seinem Mitspieler über alles Mögliche, während man seinen Reichtum weiter ausbaut.

Was mich ganz persönlich ärgert ist jedoch die Entfernung aus dem Steam Store. Die Entscheidung das man Anno nun neben dem üblichen UBI Store nur noch bei Epic kaufen kann, halte ich für ein Fehler, den leider auch andere gerade machen. Man sollte lieber alle Stores beliefern und nicht den Spieler zwingen diverse Launcher zu installieren. Das wirft weder auf den Exklusivanbieter, noch auf den Publisher ein besonders gutes Licht.

Bildquellen

  • Screenshot_-_Production_Grain_Farm_-_IMAGE_297909: Ubisoft
  • Screenshot_-_Zoo_-_IMAGE_297935: Ubisoft
  • Screenshot_-_Production_Steel_-_IMAGE_297915: Ubisoft
  • Screenshot_-_City_View_-_IMAGE_297897: Ubisoft
  • Screenshot_-_Harbour_-_IMAGE_297903: Ubisoft
Über Silberbaer 7 Artikel
Geboren im Jahre 1981, Norddeutscher Eigenbrötler, leidenschaftlicher Zocker und Bastler.  Seit ich klein bin beschäftige ich mich mit Computern und Spiele, besonders haben mir es Serveranwendungen angetan, aber auch der Hardwarebereich ist für mich sehr interessant.